NEUE BILDRÄUME ERZEUGEN, MATERIALIEN REKONTEXTUALISIEREN

Ein Interview mit Prof. Leni Hoffmann in ihrem Atelier in Düsseldorf und im Kunstmuseum Bonn


Liebe Leni, Kannst Du uns etwas über das Kunstwerk erzählen, das Du uns zur Verfügung stellst?


»dozo« ist eine mehrteilige, modulare Plastik. Die leuchtend farbigen Keramiken sind hochgebrannt, frostsicher und können sowohl im Innen- wie Außenbereich ihren Platz finden.

Die Formen wirken lapidar. Sie verdanken sich der Abweichung von der perfekten Kreisform. Ähnlich einem Finger, der ein rundes Gummiband aus der Form drückt nehme ich zwei der möglichen Variationen an und untersuche mit ihrer Hilfe - in unterschiedlichen Höhen, Ausrichtungen und Farben - den Realraum und aktiviere ihn.


Ich arbeite in-situ. Für ein paar Stunden wird das Haus des Käufers zu meinem Atelier. Erst vor Ort finden die farbigen Elemente spielerisch ihren Platz auf der Wand und »dozo« ihre endgültige Konstellation.


»dozo« aktiviert die gastgebende Wand. Die unterschiedlichen Höhen des Keramikreliefs spielen mit dem Raum- und Tageslicht. Über den Tag ändern sich die Schatten und werden zu Mitspielern der Raumplastik. Im Zusammenspiel von hinzugefügtem und vorhandenem entsteht ein begehbarer Bildraum.



Meine Materialien sind Neugier, Entdeckung, Handlung, Erinnerung.




Was wird Dein nächstes Projekt sein?


Für die Staatsgalerie Stuttgart habe ich meine Arbeit »PLAYTEX« im Rahmen der Gruppenausstellung »Play« konzipiert. Eröffnet wird die Ausstellung wohl in der ersten Hälfte 2021.


In der Villa Kamogawa, Goethe-Institut und im Stadtraum von Kyoto konnte ich »oto«, »moichido« und »camenzind« realisieren. Diese Werke sollen mit einem Happening abgeschlossen werden. Geplant war der Februar, ich fürchte das wird sich verschieben. Im Herbst wird es dann sicher klappen!



Woran arbeitest du gerade?


Zwei Filme über meine im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen realisierten Arbeiten »IBI« und »blinky« stelle ich gerade fertig. René Zechlin hat dafür ein Interview mit mir geführt.

Formatbezogene Werke entstehen im Atelier. Dort bereite ich auch meine Intervention »pizzicato« für die Tageszeitung Kyoto Shimbun vor.



Mit welchem Material arbeitest du am liebsten?


Ob »high« oder »low«, ich rekontextualisiere alle Materialien und schaffe neue Bildräume. Im Realraum, in der Zeitlichkeit der Dinge, in den Produktionsmitteln des Alltags, im Umkehren von Gewissheiten, im Ungreifbaren des Lichts und dem Wagnis der Kommunikation überall finde ich Bildmomente. Malerei ist mir Möglichkeit für Unabsehbares.


Meine Materialien sind Neugier, Entdeckung, Handlung, Erinnerung.



In welcher Art Raum kannst Du Dir Dein Kunstwerk vorstellen?


Jeder Raum ist ein guter Raum. Die Arbeit entsteht vor Ort und für den Ort – private Zimmer oder Treppenaufgänge, genauso wie halböffentliche Geschäftsräume, der Eingangsbereich eines öffentlichen Ortes genauso wie eine im Außenraum gelegene Brandwand bieten sich an.


Egal wie klein oder groß, jeder Raum ist möglich und spannend. Ich analysiere den vom Käufer zu Verfügung gestellten Ort. »dozo« bringt dann die Eigenheiten des Raumes zum Klingen.



Das abgebildete Foto zeigt beispielhaft mein Atelier. Dessen Raumhöhe lud mit 4m zu einer vertikalen Bewegung ein, mit der »dozo« die gesamte Wand bespielt. Genauso vorstellbar wäre ein niedriger Raum in dem sich »dozo« dann in die Horizontale entwickeln würde.



In welcher Beziehung stehen Raum, Mensch und Skulptur?


Ich entwickle mit »dozo« eine ganzheitliche RaumZeitMalerei. Durch die Standortnahme des Betrachters zeigen sich immer wieder neue Blickachsen und Zusammensichten der künstlerischen Setzung mit den übrigen Dingen im Raum. Die Keramikformen werfen mit Hilfe des sich ändernden Lichts unterschiedliche Schatten, unerwartete Lichtreflexe mögen auf der farbig glasierten Oberfläche aufscheinen. Die durch den Betrachter geleistete Zusammensicht schafft das eigentliche Kunstwerk jedes Mal neu.



Warum machst Du bei der Kunstauktion mit? Warum ist Dir das Schullandheim Waldbröl wichtig?


Neben der Wissensvermittlung haben Gedankenaustausch und Spiel wichtigen Anteil an der Charakterformung jeder Schülerin und jeden Schülers. Die Aufenthalte im Schullandheim bieten solche Möglichkeiten im schulischen Rahmen.


Darüber hinaus wirken sie in die Gesellschaft. Mit ihren offenen, fröhlichen, toleranten und lebendigen Stimmen bilden die Humboldt-SchülerInnen und -LehrerInnen ein wichtiges Gegengewicht zu der geistigen Enge des Ortes Waldbröl, der traurigerweise die höchste AFD Wählerschaft in NRW aufweist.

Ich hoffe den Erhalt des Schullandheimes für unsere Kinder substantiell durch die Versteigerung meiner gestifteten Raumplastik »dozo« unterstützen zu können.


Danke für das Interview und Danke für Dein Engagement!





Impressionen zu weiteren Arbeiten aus der Werkgruppe »dozo«






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