AUF EINEN HALT BEI HEIKE LUDEWIG

Ein Interview mit Heike Ludewig in ihrem Atelier in Düsseldorf



Liebe Heike, danke Dir, dass wir zu Gast sein dürfen. Kannst du uns etwas über das Kunstwerk erzählen, das du gespendet hast?


Ich kann über die Technik sagen, aber ich kann natürlich auch etwas über den Ort sagen, der dargestellt wird. Das ist tatsächlich irgendeine Haltestelle in Düsseldorf. Ich glaub sogar irgendwo an der Pempelforter Straße. Ich laufe ganz viel mit der Handykamera durch die Gegend und schieße immer ganz viele Fotos. Wo ich kann, wo ich gehe und stehe und überall wo ich etwas Gutes finde, mache ich ein Foto und arbeite viel nach diesen Vorlagen. Daher ist das Foto für dieses Werk tatsächlich in der Umgebung der Schule entstanden. Was mich interessiert, sind Menschen und alltägliche Situationen. Das Kunstwerk soll das Interesse wecken, für die Schönheit, die in den alltäglichen Dingen liegt.




Perfekt. Dann hat das Bild ja einen direkt »Humboldt-Bezug«?


Ja, ich nehme für den Weg zur Schule mit dem Fahrrad immer eine bestimmte Strecke. Diese führt auch an Haltestellen dabei und dann sehe ich dort immer Geschichten. Das Spannende für mich ist immer die Frage: Wie verhalten sich Leute, wenn sie sich unbeobachtet fühlen? Das finde ich viel interessanter, als Leute, die sich immer in Pose werfen, wenn sie bspw. fotografiert werden. Leute, die unbeobachtet sind, zeigen sozusagen, was sie sind. Ich mache auch weniger die Gesichter, sondern ich gehe immer über die Haltung. Wichtiger Aspekt jeder Arbeit ist natürlich die Atmosphäre, die über das Spiel von Licht und Schatten erzeugt wird.



Heike Ludewig


Ja, das führt mich eigentlich direkt zur letzten Frage.


Haha. Nur zu!



Die ziehen wir jetzt vor: Das heißt also, die Vorlage für deine Bilder sind eigentlich immer Fotos? Oder arbeitest du auch aus dem Gedächtnis?


Ja, schon. Eigentlich ist es eine Kombination: Es sind immer Fotos, die ich selber gemacht habe. Und dann füge ich natürlich auch Sachen hinzu, die nicht auf dem Foto sind. Es ist auch nicht so dass, – wenn ein Foto total perfekt ist – ich es genau so male. Es gibt einfach Dinge, die kann ein Foto leisten und dann wiederum Dinge, die kann die Malerei besser. Man kann in der Malerei einfach etwas dazu erfinden.


Die Fotos dienen mir mehr als Erinnerung, als Gedächtnisstütze sozusagen. Und dann baue mir meine eigene Erinnerung in den Bildern noch mal neu zusammen.



Du wolltest noch etwas zur Technik sagen?


Ja richtig. Das Bild ist auf Kunststoff gemalt, also PET. Die Idee ist, – es steht bewusst ein bisschen ab vom Untergrund – dass die farbigen Stellen so je nach Lichteinfall Schatten werfen.




Richtig, es wirkt dadurch sehr dreidimensional.


Genau das. Das ist natürlich jetzt auch wirklich extrem. Ich gestalte es manchmal auch so, dass sie dichter am Untergrund anliegen. In diesem Fall habe ich es ziemlich weit abstehen lassen. Das kann ich immer variieren, je nachdem, was ich da für ein Bild habe. Und das bekommt auch nur ein Passepartout, damit man dadurch ein wenig die Bildfläche eingrenzt. Ich hab auch Bilder ganz ohne Passepartout.


Den Hintergrund kann man übrigens auch tauschen und das Bild von der anderen Seite ansehen, einfach drehen.



Woran arbeitest du gerade? Hast du, also hast du gerade ein bestimmtes Projekt, was in eine Richtung geht? Also, ich sehe hier viele schwimmende Menschen, zum Beispiel.


Ja, das hat sich jetzt irgendwie so ergeben. Ich habe im Grunde zwei-drei inhaltliche Stränge: Leute in der Stadt, in der Natur und Leute draußen am Wasser. In letzter Zeit habe ich einfach viel stärker an den Naturgeschichten gearbeitet, weil es Ausstellungen zu diesem Thema gab, »Lagune« zum Beispiel. In diesem Kontext haben sich wieder ganz viele Schwimmerbilder ergeben.


Im nächsten Jahr gibt es neue Projekte. Wir fahren zum Beispiel nach Finnland mit der Produzentengalerie und dafür muss ich mir jetzt noch was ausdenken.


Und dann habe ich so ein kleines Setzkastenprojekt. Diesen Kasten hat mir ein Galerist aus Göttingen gegeben, verbunden mit der Bitte: »Mach´ was damit!«. Daran habe ich auch schon länger gearbeitet. Das sind sehr kleine Bilder. Ich mache generell wenig mittlere Formate, eigentlich immer entweder ganz kleine oder oder eben relativ große Bilder.



Zwei Fragen habe ich noch: Wie beeinflusst deine künstlerische Arbeit deine Arbeit als Lehrerin? Und umgekehrt?


Ich bringe in der Schule natürlich alles mit ein, was ich hier im Atelier erlebe, in der Kunst. Diese ganzen Geschichten: wie kommt man zur Kunst und was kann man? Ich hatte eine Lehrerin an der Akademie, die sehr offen war. Eigentlich war sie Bildhauerin, hatte aber dennoch Malereistudenten – wir waren eine sehr bunte Klasse mit viele Leute aus den verschiedensten Ländern. Und mit ganz unterschiedliche Ansätze. Dabei hat man gelernt, zu respektieren, dass jemand anderes, etwas anders macht als man selber. Und dass man das Gute darin finden kann. Immer.


Das ist das, was ich in der Schule auch versuche. Jedes Mal, wenn ich einen Schüler sehe, der irgendwas macht. Sie machen es vielleicht anders, als es bspw. die Aufgabe erfordert, aber es ist trotzdem toll. Bei der Notengebung muss man natürlich mit den Schülern sprechen und das entsprechend einordnen. Das funktioniert in der Regel sehr gut.


Darüber hinaus machen Schüler ganz oft viele tolle Sachen, die unerwartet sind und auf ganz eigenständigen Ideen basieren. Mir fällt immer wieder auf, wie frei gerade kleine Schüler – also Fünf- oder Sechstklässer arbeiten. Befreit. Das ist ja das, was auch viele Künstler immer wieder versucht haben: Dieses Unabhängige, diese Freiheit in der Malerei zu haben.



Ja, eine Frage habe ich noch: aber auch die haben wir eigentlich jedem gestellt oder jeder. Warum machst du bei der Aktion mit?


Waldbröl sehe ich immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Als betreuende Person, die mitfährt, ist es immer sehr anstrengend. Für die Kinder ist es aber wirklich eine gute Sache Und als Lehrerin kann man vor Ort sehr viel über die Schüler lernen. Es ist einfach eine andere Umgebung, an dem Themen auch anders bearbeiten werden können. Wir machen dort auch immerkleine Kunstprojekte. Dafür ist es toll!



Prima, danke für Dein Engagement und das Interview!